we space

Wer oder was ist We Space?

Wir sind We Space – ein offener Freundeskreis von etwa 700 Leuten. Wir sind selbstorganisiert, nonprofit und unbürokratisch. Wir treffen Entscheidungen nach dem Initiative Prinzip, d.h. wer etwas initiiert und einlädt, Kraft und Freude investiert, kann auch weitgehend eigenständig entscheiden und selbst gestalten, so lange halt Leute mitmachen 🙂 Wir treffen uns, um spannende und entspannende Sachen miteinander zu machen: Gesprächsrunden, (Impro-) Theater, Tanzen, visuelle Kunst, Selbsterfahrungsworkshops, Spiele, Musik, Massageabende, wir kochen zusammen und und und…. Und das feiern wir seit 2006 ca. alle 3 Monate, wenn wir zusammen auf ein verlängertes Wochenende fahren. Alle sind gleichzeitig Teilnehmer und Moderatoren, eigenverantwortlich und von den Anderen gehalten. Und Idealismus ist auch dabei, wir wollen eine liebevolle und lebendige Gemeinschaftskultur in die Welt setzen, die sich aus sich selbst heraus entfaltet und andere Städte, Länder und Kontinente belebt und inspiriert. Jeder soll ohne Hindernisse überall all das vertiefen und fortführen können. www.we-space.de

Was ist We Space?

Hier einige Hintergrundinformationen zur We Space Gemeinschaft, die in München im Jahre 2006 aus einer offenen Improtheatergruppe heraus entstanden ist und die 2019 etwa 700 Mitglieder hat.

Was macht We Space aus?

Die We Space Wochenenden sind ein offenes Seriengruppenevent, das darauf abzielt einen möglichst hohen Erlebniswert für die Teilnehmer zu schaffen, die Teilnehmer in Kontakt zu bringen, so eine wachsende Gemeinschaft aufzubauen und das bei möglichst geringem finanziellen und organisatorischen Aufwand. Das Konzept ist auf Selbstentfaltung ausgelegt, das Teilnehmer zu We-Space-Wochenenden Initiatoren werden und nach und nach immer mehr We Spaces Wochenenden angeboten werden. We Space Wochenenden sind anspruchsvolle Events und bieten die Möglichkeit das jeder einzelne sich bis an seine persönlichen Grenzen hin fordern kann und das geht nur, weil jeder selbst bestimmt, womit und wie er/sie sich in den Gruppenprozess einbringt. Jede Teilname an einem We Space Wochenende ist eine Herausforderung und je intensiver man sich einbringt, desto erlebnisreicher und belohnender ist oft auch der Verlauf.

Die Kernherausforderung für den We-Space-Initiator besteht darin, überhaupt erst einmal eine ausreichend große Gruppe von Freunden und Freundesfreunden für ein Wochenende zusammen zu bringen, um dann die Initiative, Gestaltungskraft und Kreativität der Teilnehmer möglichst stark zu aktivieren und aufeinander anzuwenden – sprich Mitmachangebote zu generieren, und ein warmes, verbindliches und energiegeladenes Gemeinschaftsklima zu erzeugen.

Die Teilnehmerstruktur eines We Spaces entsteht vor allem aus den Freundeskreisen des Initiators und der Orgateammitglieder, also denjenigen, die Verantwortung übernehmen. Das führt zu einem Nebeneinander von Leuten die sich sehr gut und anderen die noch kaum jemanden kennen und genau diese “Privatpartymischung” bietet für alle ideale Voraussetzung, um neue Leute kennen zu lernen, bestehende Beziehungen zu vertiefen und eine Gemeinschaft aufzubauen.

Alle Teilnehmer begegnen sich auf Augenhöhe, auch wenn sie unterschiedlich stark Verantwortung übernehmen. Alles was passiert geschieht freiwillig. Selbstorganisation ist die treibende Kraft, auf hierarchische Organisationsstrukturen wird nur wenn nötig zurück gegriffen.

Wozu der Aufwand?

Das faszinierend wirksame an diesem Ansatz ist für mich, dass der We-Space-Initiator der Hauptprofiteur in diesem Spiel ist, der selbstbestimmt in die Entfaltung und Verdichtung seines eigenen sozialen Umfeldes investiert. Das We Space Konzept ist ein Werkzeug dafür. Ich kenne (außer Encountergruppen) kaum vergleichbare Möglichkeiten, die obwohl sie unmittelbar die eigenen Individualbedürfnisse bedienen, quasi nebenbei einen derart massiven Mehrwert für andere Menschen schaffen. Als We Space Initiator fühlte ich mich oft am Peak meiner Selbstwirksamkeit. Wenn sich erst einmal herum gesprochen hat, wie sehr sich diese Initiative lohnen kann und die Widerstände diese anspruchsvolle Rolle anzunehmen weiter abgebaut wurden, sehe ich rosige Zeiten für eine neuartige soziale Bewegung, in die ich weiter mit Leidenschaft investieren werde, einfach weil mir ein Leben in dichter Gemeinschaft so gut tut. Ich halte den persönlichen Wert eines dichten und dynamisch sozialen Umfeldes für sehr hoch – er kann bis in die Nähe des Wertes von Partnerschaft hin reichen. Die Liste der positiven Rückwirkungen auf die eigene Befindlichkeit ist schier endlos. Der hohe Wert von Liebesbeziehungen und Partnerschaft steht außer Frage. Der Psychologe Martin Seligman konnte empirisch belegen, dass die zufriedensten Menschen auch die sozial engagiertesten sind. Ich bilde mir sogar ein zu spüren, dass mein aktuell dichtes Umfeld die natürliche Umwelt ist, für die ich genetisch „gemacht“ wurde. Ich komme zu dieser Einschätzung weil einiges von dem was ich dort lebe und erlebe, ich nur in und durch diesen sozialen Kontext leben kann. Und da diese sozialen Aspekte meiner Persönlichkeit offensichtlich real sind und ich sie auch bei anderen in solchen Gruppenkontexten zu erkennen glaube, fällt mir erst deren fehlen in einsamen Phasen meiner Vergangenheit und allgemein im Arbeits- und Konsumalltag auf. Der Mensch ist von seiner Biologie her drastisch sozialer konzipiert, als ihm seine moderne Leistungswelt zugesteht und er ist kulturell seinen biologischen Anlagen gegenüber nicht beliebig plastisch. Je weiter er sich von seinem ursprünglichen „Jäger und Sammler Alltag“ entfernt, desto angespannter wird seine Bedürfnisbalance.

We Space ist eines der Werkzeuge, um dem Grundbedürfnis nach Gemeinschaftserleben nachzukommen. Ich war früher regelmäßig einsam. Heute taucht das Gefühl nur noch ganz selten und viel schwächer auf. We Space hat bei mir dazu einen spürbaren Beitrag geleistet.

Workshops:

Das offizielle Motto von We Space ist “Erlebnisbegegnung” und dieses Motto setzt einen wichtigen Orientierungspunkt, was überhaupt an Programmangeboten Sinn macht. Das ganze Konzept ist darauf ausgerichtet, das Menschen miteinander in Kontakt und in Beziehung gehen. Insofern sollten die Programmangebote diesen Fokus berücksichtigen. Und wenn man die vielen bisher angebotenen Workshops überfliegt, sieht man sofort, welche enorme Bandbreite innerhalb dieses Rahmens möglich ist. Für mich ist immer wieder faszinierend, wie toll und bereichernd Workshops von Teilnehmern seien können, die zum ersten mal auf einem We Space dabei sind und die auch zum ersten mal in ihrem Leben einen Workshop halten. Ich persönlich platziere gerne für mich die Workshops auf einer gedachten Skala von Intensivworkshops bis hin zu spielerischen Workshops. Wobei ich immer den potentiellen Risiken von Intensivworkshops viel Aufmerksamkeit schenke. Workshops wie z.B. „Spiegeln, oder „Schnupperencounter“ können einzelne Teilnehmer emotional ganz schön durchschütteln. Deshalb ist es wichtig diese Risiken beim vorstellen des Workshops in großer Runde transparent zu halten und klar zu kommunizieren, das die Workshopanbieter auch nach dem Workshop noch langfristig als Ansprechpartner bei Problemen zur Verfügung stehen. Generell gilt jedoch, das die Workshopanbieter sich nicht überschätzen sollten und die Teilnehmer selbstverantwortlich Workshops besuchen.

Das Angebotsprinzip

Da We Space ein freies Konzept ist, das niemandem gehört und das auch niemand kontrolliert, kann jeder der Lust hat selber ein We Space anbieten. Wer zum Initiator eines We Spaces wird, sollte zunächst einen Zeitraum und eine Location wählen und dann ein Orgateam zusammen stellen, so dass alle wichtigen Verantwortungsposten wie Essenseinkauf, Rahmenmoderation, Kommunikationskoordination (Googledoc, Facebook-Event…) abgedeckt sind. Das Angebotsprinzip besagt vor allem das diejenige, die von sich aus freiwillig in Initiative geht, auch in diesem Bereich die Entscheidungshoheit behält. Das soll vor allem ein ausbremsen durch langwierige und komplizierte Gruppenabstimmungsprozesse verhindern. Der Initiator bietet Freiräume an, die wiederum andere nutzen können, um ihrerseits dort Angebote ( z.B. Workshops ) zu machen – dieses Vorgehen macht Gruppenentscheidungssituationen fast überflüssig. Wem ein Angebot nicht gefällt, muss es nicht annehmen und so können hoch komplexe soziale Prozesse aus sich selbst heraus entstehen.

Erfahrungsgemäß gilt, das wer mit gutem Beispiel voran geht und sich bei seinen Angeboten Mühe gibt, um gute Bedingungen für alle zu schaffen, auch angenommen wird. Das gute alte “mehr geben als nehmen” kann, wenn es in einer Gruppenkultur tatsächlich etabliert wird, zu einer ganz erstaunlichen und bereichernden Eigendynamik führen. Und wie auch immer wir das hinbekommen haben, genau das funktionierte bei den bisherigen We Spaces einfach fantastisch.

Das Gemeinschaftsklima

Die gefühlte Gruppenstimmung ist vielleicht der wichtigste von allen Aspekten auf einem We Space Event und gleichzeitig auch der am schwersten zu beschreibende. Wie kann man überhaupt Einfluss auf eine Gruppenstimmung nehmen?

Wenn der Initiator es schafft, im Orgateam bereits im Voraus ein Klima der Achtsamkeit für die Bedürfnisse der Anderen vorzuleben und eine unterstützende und zuvorkommende Grundhaltung annimmt ist schon viel gewonnen. Außer mit gutem Beispiel voran zu gehen gibt es kaum Mittel der Einflussnahme. Mit liebevollen Details und Gesten kann man auch noch Punkten. Im Kern geht es wohl um die sichtbare Wertschätzung oder zumindest Respekt von jedem einzelnen, selbst gegenüber Teilnehmern, die man noch kaum oder gar nicht kennt. Auch ist es wichtig auf die anderen zuzugehen und das miteinander in Kontakt gehen, von Start weg als Normal zu etablieren. Deshalb ist auch die Startmoderation bei der Willkommensrunde ein sensibler Punkt. Wer diese Rolle übernimmt sollte versuchen das Potential der Gruppe rasch in Kontakt zu gehen (z.B. mit ein paar Aufwärm- und Kennenlernenspielen) auszureizen, jedoch den Bogen nicht zu überspannen und die Teilnehmer in eine unangenehme Nähe zu pressen. Das erfordert etwas Fingerspitzengefühl und üblicherweise eignen sich für diese Rolle vor allem besonders emotionale Teilnehmerinnen mit sicherem auftreten – selbst wenn sie noch niemals so etwas moderiert haben. Auch ist es sehr hilfreich, wenn möglichst viele Teilnehmer ein Auge darauf werfen, dass keiner aus der Gruppe heraus fällt und aktiv auf Leute zugehen und sie in Gespräche und Aktionen einbinden. Oft haben gerade diejenigen die etwas unsicher sind und die leicht aus solchen Gruppenbildungsprozessen hinaus fallen, besonders positive Erlebnisse, wenn die Gruppe es schafft sie voll rein zu holen, was der Gesamtstimmung dann sehr gut tut.

Auch ist es wichtig dem Prozess des “sich kennen lernens” und “miteinander warm werdens” genügend Zeit zu lassen und am Ende eines We Spaces ausreichend Zeit zum gemeinsam wieder runter kommen einzuplanen.

Vertrauen

Mit jedem angemeldeten Teilnehmer und jedem angekündigten Beitrag im Googledoc (Workshop, Moderation, Organisationsaufgaben) steigt das Vertrauen von (Erst-)Interessenten in das Event, weil es konkret vorstellbar wird. Dieses ansteigende Vertrauen ist gut über die Anmeldereihenfolge zu beobachten. Kurz nach der Erstankündigung des Events melden sich üblicherweise die Teilnehmer mit dem höchsten Grundvertrauen und starkem persönlichen Bezug zu den Orgateammitgliedern und erst kurz vor dem Event melden sich die unsicheren Teilnehmer, die noch wenig Leute kennen. Häufig ist es gerade für unsichere Teilnehmer entscheidend, mindestens einen Freund, oder eine Bezugsperson vor Ort zu haben, an die sie sich wenden können. Auch hilft es bei der Teilnahmeentscheidung im Googledoc möglichst transparent zu machen, was einen auf dem Wochenende erwartet und das es bei Unbehagen jederzeit die Möglichkeit zum ausweichen gibt, da die Befindlichkeit jedes einzelnen höchste Priorität hat. Auch einfache und spontane Abreisemöglichkeiten spielen hier eine wichtige Rolle.

Die Rahmenmoderation

Es hat sich als essenziell heraus gestellt, zu Beginn, in der Mitte und am Ende des Events jeweils einen moderierten Block zu stellen, bei dem die gesamte Gruppe zusammen kommt, um die Gruppe zusammenzuführen, zusammen zu halten und wieder aufzulösen. Das gelingen dieser Rahmenmoderation ist für das gelingen eines We Space Events von ganz entscheidender Bedeutung und es lohnt sich, hier besonders großen Wert darauf zu legen. Statt mit einem starren Moderationskonzept in eine solche Situation hinein zu gehen, bringt es entscheidende Vorteile aus einem Überfluss an vorbereiteten Moderationsmöglichkeiten diejenigen auszuwählen, die zu der aktuellen Situation am besten passen. Sprich ein gewisses Maß an Improvisation tut dem ganzen gut. Die Gesamtstimmung ist durch die Vielzahl der unberechenbaren Faktoren grundsätzlich zeitlich nicht weit im Voraus einschätzbar. Auf diese Unberechenbarkeit sollte man sich einstellen und mit einer gewissen Bandbreite von Impuls-Optionen vorbereitet sein. Ich versuche grundsätzlich zu Beginn einer solchen Moderationssituation in die Gruppe hineinzuspüren und mit gesundem Menschenverstand das zu tun, was im Moment am meisten Sinn macht und unter Umständen meine Moderationsvorbereitungen einfach zu ignorieren. Das wertvollste Instrument, das ich zur Verfügung habe, wenn ich als Moderator überfordert bin und nicht mehr weiter weiß, ist es diese Frage einfach ehrlich an die Gruppe zurück zu geben. „Ich weiß grad nicht weiter… was wollen wir denn jetzt machen? Wie geht’s euch gerade? Hat jemand eine gute Idee?“ Auf diese simple Weise habe ich schon eine ganze Reihe von brenzligen Situationen auflösen können 🙂 Was hingegen leicht schief geht, ist, wenn sich der Moderator bei Unsicherheit Autorität verschafft und mit gespielter Kompetenz die Gruppe direktiv anleitet und dabei das Gespür für die Bedürfnisse im Raum verliert. Mit Authentizität kann man auch als unerfahrender Moderator meist das Ruder in der Hand behalten. Wenn alle Stricke reißen kann man immer noch offen um Ablösung bitten. „Boaah Leute das überfordert mich gerade, kann mal jemand die Moderation übernehmen?“ Fast garantiert wird jemand der im Moment ein besseres Gespühr für die Gruppe hat, spontan einspringen und die Spannung wieder auflösen können. In selbstorganisierter Gruppendynamik schlummert eine unglaubliche Kraft.

Encounter

We Space ist aus der Wohnzimmer-Encountergruppe “Happy Hour” heraus entstanden. Kurz gesagt sind wir eine Gruppe von 8 Freunden, die sich seit vier Jahren regelmäßig treffen, um uns in einem relativ strukturierten Rahmen über unser emotionales Erleben auszutauschen. Nach etwa drei Jahren entstand das Bedürfnis diesen Prozess zu öffnen, dann entstand We Space und bald darauf weitere Encountergruppen. Beide Prozesse ( We Space & Encounter ) ergänzen, stabilisieren und stimulieren sich wechselseitig. Und beide Prozesse haben eine ähnliche Wirkung, obwohl sie in gewisser Hinsicht komplementäre Strukturen haben. Encountergruppen sind geschlossen, und We Space ist offen. Geschlossenheit verhindert Gruppenwachstum, Offenheit verhindert den Aufbau von tiefen Vertrauensverhältnissen. Rückt man beide Prozesse in eine sich überlappende Nachbarschaft, profitieren beide wechselseitig voneinander. Inzwischen hat sich ein Schnupper-Encounter-Workshop als fester Bestandteil des We Space Programmangebotes etabliert, der diesen theoretisch nur schwer erfassbaren Gruppenprozess in abgeschwächter Form erfahrbar macht. Natürlich kann man auch gänzlich ohne Encountergruppen ein We Space auf die Beine stellen, was man jedoch dabei im Hinterkopf behalten sollte ist, das es für den Initiator schwierig werden kann, Verantwortungsposten zu verteilen und Mitmachinitiative zu erzeugen, wenn er nur schwachen persönlichen Bezug zu den Orgateammitgliedern hat. Wechselseitiges Vertrauen und Sympathie füreinander ist der Nährboden für das erfolgreiche Aufteilen von Verantwortung und das aktivieren der Initiative der Orgateammitglieder. Insofern bietet eine Encountergruppe, die geschlossen als Orgateam auftritt, ideale Startbedingungen für das anstoßen eines We Spaces und genau so ist We Space auch entstanden.

Was ist Encounter? Eine kurze Zusammenfassung

Encounter ist ein vertrauensvolles, achtsames, wertschätzendes Gruppengespräch über persönliche, emotionale Themen, mit etwa 6 bis 8 Teilnehmern, etwa 4 Stunden oft abends in privaten Wohnzimmern. Dabei ist es wichtig, dass wirklich alles, jede Kleinigkeit vollkommen freiwilliggeschieht. Alle Teilnehmer sind selbstverantwortlich und achten auf ihre eigenen Grenzen und teilen nur das, was sich für sie stimmig anfühlt. Den anderen einen Vertrauensvorschuss zu geben führt oft dazu, dass sich tatsächlich nach und nach eine sehr vertrauensvolle Stimmung in der Gruppe bildet. Im Grunde reicht es aus mutig und authentisch zu sein. Intensität entsteht vor allem bei ehrlichem Interesse an den anderen und wenn alle aktiv zuhören und die anderen das auch spüren lassen. Oft gibt es Situationen, in denen sich Teilnehmer gegenseitig Feedback geben. Dabei ist es wichtig zu klären ob und welche Art Feedback gewünscht wird. Manchmal sind Ratschläge unerwünscht. Meist übernimmt jemand die Moderation, kümmert sich also um die Gesprächsstruktur, organisiert die Aufmerksamkeit der Gruppe, sorgt sich darum, dass alle Befindlichkeiten gehört werden, dass alle orientiert sind und sich gut einbringen können und das sich alle einig sind was wir miteinander wollen. Wenn es emotional wird, lohnt es sich oft die Aufmerksamkeit der Gruppe sanft dahin zu lenken, wo gerade Intensität entsteht, um daran anzuschließen. Die Moderatorin ist auch Teil der Gruppe und muss zwischen ihrer Moderationsrolle und Teilnehmer Rolle hin und her schalten, was nicht immer ganz einfach ist. Um in die Rolle der Moderation zu schlüpfen, braucht man weniger Erfahrung als mehr eine unterstützende und achtsame Haltung. http://encountergruppen.blogspot.com

Möglicher Ablauf

Vorlauf:

Jemand erstellt einen Doodle (www.doodle.com) für eine Gruppenterminfindung und jemand bietet sein Wohnzimmer an und kocht.

Ankommen:

18.00 Uhr. Der Gastgeber hat bereits etwas vegetarisches gekocht und nach und nach trudeln die Leute ein und kommen gemeinsam erst einmal beim Essen an.

Start:

19.00 Uhr. Alle setzen sich in einen Kreis, möglichst auf Augenhöhe und sorgen dafür, das alle es gemütlich und warm haben. Die Moderatorin macht die Struktur des weiteren Verlaufes transparent und sorgt dafür, dass alle Bedürfnisse im Raum gehört wurden.

Befindlichkeitsrunde:

Alle sagen kurz in zwei bis drei Sätzen, wie es ihnen in diesem Moment gerade geht. Wer Lust hat, fängt an und dann reihum oder frei nach Impuls.

Erzählrunde mit Feedback:

20.00 Uhr. Die Erzählrunde ist dann der Hauptteil, bei dem jede Teilnehmerin bis zu etwa 20 Minuten Zeit bekommt frei das zu erzählen, was Sie mit der Gruppe teilen will. Es müssen nicht alle erzählen, aber meistens machen es dann doch alle, weil jeder sich irgendwann zeigen will. Während des Erzählens gibt es keine Unterbrechungen, dafür gibt es im Anschluss die Möglichkeit für Feedback, wenn die Erzählerin das will. Der Moderator behält dabei die Zeit im Auge und kann mit einem “Bitte langsam zum Ende kommen!” die Erzählerin darauf aufmerksam machen, wenn Sie zu lange erzählt.

Befindlichkeitsrunde:

22.30 Uhr. Alle sagen erneut kurz in zwei bis drei Sätzen, wie es ihnen in diesem Moment gerade geht. Wer Lust hat, fängt an und dann reihum oder frei nach Bedürfnis.

Ausklang:

Alle einigen sich, wer den Doodle für die Terminfindung fürs nächste Treffen aufsetzt. Einige brechen auf, und die anderen ratschen noch gemütlich und frei weiter, essen und trinken noch was, bis der Gastgeber signalisiert, dass er jetzt schlafen gehen möchte.

We Space ist eine Angebotsgemeinschaft

von Carolin GaiserJona und Felix Schmidt

Bei einer offenen und bunten Gruppe wie We Space ist es nahezu unmöglich, ein einheitliches Bild zu zeichnen, das Meinungen und Wahrnehmungen aller Beteiligten vollständig berücksichtigt. Wir versuchen hiermit trotzdem, die Gemeinsamkeiten und Grundwerte, die wir in dieser Gruppe sehen, zu formulieren. Die Angebotsgemeinschaft ist ein offener Freundeskreis – Menschen, die sich durch das Bedürfnis nach Kontakt, Nähe, Anerkennung, Weiterentwicklung und Kreativität in vielfältigen, privat organisierten Situationen immer wieder aus freiem Willen begegnen und aktiv ihre Beziehungen zueinander pflegen.

Angebotskultur. Grundlage ist eine Angebotskultur: ein dezentraler öffentlicher Marktplatz, auf dem Begegnungsangebote (initiiert von Einzelnen oder Kleingruppen) um Teilnehmer werben. Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig, selbstbestimmt und möglichst spontan. Interessante, ansprechende, gut organisierte Angebote setzen sich auf Dauer durch, was der Gemeinschaft als ganzem zu Gute kommt. Eigeninitiative und Geschick im Anbieten werden gefördert. Angebote, die nicht auf die Bedürfnisse der Teilnehmer passen, oder die sich überholt haben können auch wieder verschwinden, ohne dass das als Verlust oder persönliche Niederlage verstanden werden sollte. Der Anbietende entscheidet, welchen Rahmen er für eine bestimmte Aktion steckt und behält die Entscheidungshoheit (wenn gewollt in Absprache mit anderen). Es muss wenig bis gar nichts abgestimmt werden – wenn jemandem ein Angebot nicht gefällt, dann kann er ein Alternativangebot machen, oder einfach nicht hingehen. Umgekehrt wird sich der Anbietende bemühen, die Interessen der anderen zu berücksichtigen.

Private Eigeninitiative. Die Angebote sind formuliert in der Form “Ich möchte … machen / mache demnächst … – wer möchte mitmachen?”. D.h. der Anbietende ist selbst Teilnehmer und evtl. auch Organisator – es werden nicht nur einfach “interessante” Angebote, Aufrufe oder Mails von extern weitergeleitet ohne persönlichen Bezug. Der Anbietende verfolgt in der Regel kein kommerzielles Eigeninteresse.

Begegnungsräume. Innerhalb der Angebotsgemeinschaft wird eine große Vielfalt von – teils aufwendig gestalteten – Begegnungsräumen kultiviert, was zu einer hohen sozialen Dichte und Vielfalt führt. Begegnungsformate wie EncountergruppenKreativgruppen oder We-Space Wochenenden bieten hierfür Plattformen. Diese Landschaft von offenen und geschlossenen Begegnungsräumen bietet eine anspruchsvolle Kontaktfläche für alle Altersstufen und wirkt entwicklungsfördernd und verbindend.

Persönliche Entwicklung und Emotionen. In der Gemeinschaft werden Softskills aktiv kultiviert, wie Empathie, Intra- und interkulturelle Kompetenz, Menschenkenntnis, Introspektion, nonverbale Sensibilität, Motivierungsvermögen, Kritikkompetenz, Networking-Kompetenz, gewaltfreies Kommunizieren, Moderationskompetenz und Teamfähigkeit. Ein wichtiges Element ist das Zulassen und Kennenlernen der eigenen Emotionen und die persönliche Weiterentwicklung. Die sozialen Bedürfnisse des einzelnen erhalten viel Raum – bis zur Sättigung.

Offenheit und Individualität. Die Teilnehmer teilen gemeinsame Werte, Einstellungen und Verhaltensmerkmale. Gleichzeitig soll jeder Teilnehmer seinen individuellen, an Bedürfnissen orientierten Lebensstil ohne Druck zur Anpassung an äußere Erwartungen realisieren. Dies setzt andererseits Toleranz und Offenheit für die Individualität und Bedürfnisse der anderen voraus.

Kreativität. Kreative Tätigkeiten und Spieltrieb nehmen eine wichtige Rolle ein – von Malen und Basteln über Tanz, Theater und Musik bis hin zu Warm Ups und Gruppenspielen.

Technologieeinsatz. Auffällig ist die allgemeine Technologiefreundlichkeit und der leichtgängige, spielerische Gebrauch der von Social-Networking-Werkzeugen gemacht wird, wie z.B. Facebook, Youtube, Skype und GoogleDocs. Das gelebte Maß an Transparenz und Öffentlichkeit ist hoch, was die Offenheit und den Wachstums- bzw. Integrationswillen der Gemeinschaft unterstreicht.

Vision

Wir möchten die vorhandene soziale Dynamik aus Improtheater, We Space Wochenenden, Encounter, Gruppenurlauben, Gruppenkreativprojekten, etc. fördern, verbreiten und diversifizieren. Wir wünschen uns, dass neue Angebote entstehen, neue Leute begeistern und sich auch auf andere Städte ausdehnen, so dass auf Dauer eine soziale Bewegung daraus wird, ohne dass der Charakter und die Vertrautheit des jetzigen Angebots verlorengeht.

Indentität

Die Angebotsgemeinschaft kann man als modernen Nachkommen der Hippie-Encounter-Human-Potential- und 68er-Bewegung auffassen und versteht sich als Teil der humanistischen Kultur. Sie schafft es kraftvolle Selbstbestimmung in dichten Gemeinschaften zu vitalisieren und sich gleichzeitig dem scharfen Anpassungsdruck einer von globalen Wirtschaftsinteressen dominierten Welt erfolgreich zu stellen. Es ist keine Gegenbewegung. Es ist eine Bewegung für das ausleben von (sozialen) Bedürfnissen, unter gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die das nicht explizit vorsehen und wird damit zu einer ausschließlich selbstbezüglich systemischen Bewegung, die die kulturellen Errungenschaften der globalisierten Welt individuellselektiv annimmt und von ihrem Mitgestaltungspotential aktiv Gebrauch macht. Der identifizierende Ausgangspunkt der Bewegung ist das natürliche Spannungsfeld von Individualbedürfnissen und hierarchischen Erwartungsstrukturen der Gesellschaft. Die Selbstbestimmung des Individuums wird zum dezentralen Machtzentrum der Gesellschaft. Politische, wirtschaftliche, religiöse und ideologische Mächte, bleiben wirksam, werden der Selbstbestimmung jedoch unterstellt. Diesem Ideal verleiht die Bewegung Kraft. Die Bewegung wird von folgender Setzung stabilisiert und identifiziert: “So viel Bedürfnisorientierung wie möglich, nicht mehr Erwartungsorientierung als nötig”. Dadurch soll einem zersplitternden Identitätspluralismus entgegengewirkt werden, um das Identifikationspotential zu bündeln und eine systemischen Entfaltungzu ermöglichen. Das beharren auf diesem eindeutigen Ausgangspunkt ist Ausdruck des Willens zur konstruktiven, gesellschaftlichen Breitenwirkung.


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